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Technologie

VAR, halbautomatisches Abseits und Torlinientechnik erklärt

Halbautomatisches Abseits, Videoassistent und Torlinientechnik sind drei unterschiedliche Systeme mit unterschiedlicher Aufgabe. Die Torlinientechnik entscheidet automatisch, ob der Ball die Linie überquert hat. Der Videoassistent prüft vier Arten von Spielsituationen auf klare Fehler. Das halbautomatische Abseits nutzt Kameras, KI-gestütztes Tracking und einen Ballsensor, um Abseitspositionen schneller zu erkennen. In der Bundesliga und der 2. Bundesliga ist es seit der Saison 2025/26 im Einsatz; im Amateurfußball ist von all dem bisher wenig angekommen.

Grafik: Ein Angreifer läuft im Moment der Ballabgabe knapp hinter die Abwehrkette; eine virtuelle Abseitslinie auf Höhe des vorletzten Verteidigers zeigt die Abseitsposition.

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In diesem Artikel
  1. Drei Systeme, drei Aufgaben
  2. Torlinientechnik: die älteste Technik im Spiel
  3. Videobeweis im Fußball: wie der VAR arbeitet
  4. Halbautomatisches Abseits: Tracking, KI und Ballsensor
  5. Grenzen und Kritik
  6. Was im Amateurfußball ankommen kann

Drei Systeme, drei Aufgaben

In der öffentlichen Diskussion verschwimmen die Begriffe. Für Trainer, Schiedsrichter und Funktionäre lohnt es sich, sie sauber zu trennen, denn die Systeme arbeiten unterschiedlich und haben verschiedene Grenzen.

SystemAufgabeWer entscheidet
TorlinientechnikErkennt, ob der Ball die Torlinie vollständig überquert hatAutomatisch; Signal an die Uhr des Schiedsrichters
Videoassistent (VAR)Prüft Tore, Strafstöße, Rote Karten und Spielerverwechslungen auf klare FehlerSchiedsrichter auf dem Feld, nach Empfehlung oder eigener Ansicht am Monitor
Halbautomatisches AbseitsErkennt Abseitspositionen über Tracking und Ballsensor und erzeugt eine AbseitslinieVAR prüft den Vorschlag, Schiedsrichter entscheidet

Nur die Torlinientechnik entscheidet tatsächlich automatisch. Beim halbautomatischen Abseits schlägt die Technik vor, Menschen prüfen. Beim VAR entscheidet weiterhin allein der Schiedsrichter auf dem Platz.

Torlinientechnik: die älteste Technik im Spiel

Die Regelhüter des IFAB haben die Torlinientechnik im Juli 2012 zugelassen. Sie arbeitet entweder mit Kameras, die den Ball an mehreren Positionen erfassen und seine Lage dreidimensional berechnen, oder mit einem Magnetfeld und einem Sensor im Ball. Überquert der Ball die Linie vollständig, erhält der Schiedsrichter praktisch sofort ein Signal auf seine Uhr.

In der Bundesliga wird die Technik seit der Saison 2015/16 eingesetzt; die Vereine hatten sie im Dezember 2014 beschlossen, die DFL entschied sich für ein kamerabasiertes System. Die 2. Bundesliga folgte zur Saison 2024/25. Für den Amateurbereich ist die Technik wegen der festen Installation und der Kosten pro Stadion kein Thema.

Videobeweis im Fußball: wie der VAR arbeitet

Das IFAB hat den Videoassistenten im März 2018 in die Spielregeln aufgenommen; bei der Weltmeisterschaft im selben Sommer kam er erstmals bei einem WM-Turnier zum Einsatz. In der Bundesliga arbeitet er seit 2017/18, in der 2. Bundesliga seit 2019/20. Die Videoassistenten sitzen zentral im Video-Assist-Center in Köln.

Der VAR greift laut DFB nur in vier Situationen ein, und nur bei einer klaren und offensichtlichen Fehlentscheidung oder einem übersehenen schwerwiegenden Vorfall:

  1. Tor oder kein Tor, einschließlich Vergehen in der Angriffsphase davor
  2. Strafstoß oder kein Strafstoß
  3. direkte Rote Karte
  4. Spielerverwechslung bei einer Verwarnung oder einem Feldverweis
Angriffsphase vor einem Tor Angriffsphase 6 10 9 1 Ballgewinn 2 Steilpass 3 Abschluss Team A Gegner Pass Laufweg
Grafik 1. Bei einem Tor prüft der VAR nicht nur den Abschluss, sondern die gesamte Angriffsphase: vom Ballgewinn im Mittelfeld über den Pass in die Tiefe bis zum Treffer. Ein Foul beim Ballgewinn oder eine Abseitsposition beim Steilpass kann das Tor aufheben. In der Taktiktafel öffnen ↗

Seit der Saison 2025/26 erklären die Schiedsrichter in der Bundesliga und 2. Bundesliga ihre Entscheidung nach einer Überprüfung per Durchsage im Stadion. Das soll die Abläufe für Zuschauer nachvollziehbarer machen.

Halbautomatisches Abseits: Tracking, KI und Ballsensor

Bei der WM 2022 in Katar setzte die FIFA erstmals bei einer Weltmeisterschaft eine halbautomatische Abseitstechnologie ein. Zwölf Kameras unter dem Stadiondach erfassten bis zu 29 Körperpunkte pro Spieler, 50-mal pro Sekunde. Ein Sensor im Ball sendete 500-mal pro Sekunde Daten und machte den Moment der Ballabgabe genau bestimmbar. Nach der Entscheidung wurde aus denselben Daten eine 3D-Animation für Stadion und Fernsehen erzeugt.

Der Ablauf ist immer ähnlich: Die Software erkennt den Abspielmoment, berechnet die Position aller relevanten Körperteile und meldet eine mögliche Abseitsposition an den Videoraum. Der VAR prüft den Vorschlag, insbesondere den gewählten Abspielmoment und die gesetzten Punkte, und informiert den Schiedsrichter. Ob ein Spieler in Abseitsstellung aktiv ins Spiel eingreift, beurteilen weiterhin die Menschen, nicht die Software.

Virtuelle Abseitslinie im Abspielmoment vorletzter Verteidiger 8 9 7 9 knapp im Abseits Abspielmoment per Ballsensor Team A Gegner Pass Laufweg
Grafik 2. Die Technik setzt im Moment der Ballabgabe eine virtuelle Linie auf Höhe des vorletzten Verteidigers. Steht ein für das Spiel relevanter Körperteil des Angreifers näher an der gegnerischen Torlinie, liegt eine Abseitsposition vor. Hände und Arme zählen dabei nicht. In der Taktiktafel öffnen ↗

Die UEFA nutzt die Technik in ihren Wettbewerben, darunter die Champions League und die EM 2024; die Premier League führte sie im Laufe der Saison 2024/25 ein. Laut DFB ist sie seit der Saison 2025/26 in der Bundesliga und der 2. Bundesliga im Einsatz. Ziel ist vor allem Zeitgewinn: Abseitsprüfungen sollen deutlich kürzer werden als mit manuell gezogenen Linien.

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Grenzen und Kritik

  • Messgenauigkeit ist nicht unendlich: Auch bei hoher Bildrate liegt zwischen zwei Bildern Zeit. Wo genau der Ball den Fuß verlässt, ist eine Schätzung, die der Ballsensor verbessert, aber nicht abschließend klärt.
  • Knappe Entscheidungen bleiben knapp: Eine Abseitsposition von wenigen Zentimetern wird zuverlässig angezeigt, löst aber regelmäßig Diskussionen über den Sinn der Regel aus, nicht über die Technik.
  • Ermessensfragen bleiben menschlich: Ob ein Kontakt ein Foul ist, ob ein Handspiel strafbar ist oder ob ein Spieler aktiv eingreift, kann keine Kamera entscheiden.
  • Zeit und Spielfluss: Jede Überprüfung unterbricht das Spiel. Das halbautomatische Abseits verkürzt nur einen Teil der Prüfungen.
  • Ungleichheit: Die Technik gibt es nur in den obersten Spielklassen. Die gleiche Regel wird darunter mit bloßem Auge entschieden.

Für die Diskussion im Verein hilft eine nüchterne Einordnung: Die Technik macht Tatsachenentscheidungen wie Abseitsposition oder Torlinie genauer und schneller. Sie macht Ermessensentscheidungen nicht objektiv. Wer am Montag im Vereinsheim über eine Szene aus der Bundesliga streitet, streitet fast immer über eine Auslegung der Regel, nicht über eine Messung.

Was im Amateurfußball ankommen kann

Ein vollständiges VAR-System mit Videoraum, mehreren Kameras und geschulten Videoassistenten ist für Kreis- und Landesligen nicht finanzierbar. Interessanter für den unteren Bereich ist ein Ansatz, den die FIFA unter dem Namen Football Video Support erprobt: Es gibt keine eigenen Videoschiedsrichter, stattdessen können die Cheftrainer eine begrenzte Zahl von Überprüfungen anfordern, bei Toren, Strafstößen, direkten Roten Karten und Verwechslungen. Getestet wurde das unter anderem im Mai 2024 beim Blue Stars/FIFA Youth Cup in Zürich und bei der U20-Frauen-WM 2024 in Kolumbien. Die FIFA beschreibt es ausdrücklich als Lösung für Wettbewerbe mit begrenztem Budget.

Realistischer für Amateurvereine sind in den nächsten Jahren andere Anwendungen:

  • Spielaufzeichnungen mit KI-Kameras für die eigene Analyse, die bei Bedarf auch in der Schiedsrichterausbildung genutzt werden können.
  • Lehrvideos für Schiedsrichter: Szenen aus Amateurspielen, mit Einwilligung genutzt, zur Schulung von Stellungsspiel und Abseitsbeurteilung.
  • Abseitstraining für Assistenten: Übungen, in denen Schiedsrichterassistenten ihre Entscheidungen mit Videoaufnahmen vergleichen.

Ob Aufnahmen aus Amateurspielen in Sportgerichtsverfahren berücksichtigt werden, regeln die Rechts- und Verfahrensordnungen der Verbände; das sollte man im Einzelfall beim Landesverband erfragen. Für Trainer und Eltern bleibt der wichtigste Punkt unverändert: Auf dem Amateurplatz entscheidet ein Mensch ohne Wiederholung. Wie man damit umgeht, beschreibt der Beitrag Schiedsrichter respektieren.

Was Trainer aus der Technik lernen können

Auch ohne Videobeweis lässt sich aus den Profisystemen etwas für das eigene Training mitnehmen. Die halbautomatische Abseitsprüfung zeigt, wie knapp Abseitsentscheidungen oft sind und wie sehr es auf den Moment der Ballabgabe ankommt. Für Stürmer bedeutet das: Der Lauf beginnt erst, wenn der Passgeber den Kopf hebt und das Bein ausholt, und die Schulter bleibt bis dahin auf Höhe des letzten Verteidigers. Eine einfache Übung dafür ist ein Steilpassspiel 4 gegen 3 auf etwa 40 × 35 Metern mit einer markierten Abseitslinie aus Hütchen, die die Verteidiger mitverschieben. Ein Co-Trainer oder ein Spieler steht als Assistent an der Linie; Tore nach Abseits zählen nicht. So schärfen Angreifer ihr Timing und Verteidiger ihr gemeinsames Herausrücken, und die Mannschaft erlebt, wie schwer die Entscheidung für den Assistenten an der Linie ist.

Häufige Fragen

Seit wann gibt es das halbautomatische Abseits in der Bundesliga?

Laut DFB wird die halbautomatische Abseitstechnologie seit der Saison 2025/26 in der Bundesliga und der 2. Bundesliga eingesetzt. Bei Weltmeisterschaften kam sie erstmals 2022 in Katar zum Einsatz.

Wann greift der Videobeweis im Fußball ein?

Der VAR prüft vier Situationen: Tore, Strafstöße, direkte Rote Karten und Spielerverwechslungen. Er greift nur bei einer klaren und offensichtlichen Fehlentscheidung oder einem übersehenen schwerwiegenden Vorfall ein. Die endgültige Entscheidung trifft der Schiedsrichter auf dem Feld.

Welche Körperteile zählen bei der Abseitsentscheidung?

Maßgeblich sind alle Körperteile, mit denen ein Tor erzielt werden darf, also auch Kopf und Rumpf. Hände und Arme bleiben unberücksichtigt, bei Angreifern wie bei Verteidigern. Das halbautomatische System setzt seine Punkte entsprechend an Füßen, Knien, Schultern und Kopf.

Wie funktioniert die Torlinientechnik?

Kameras oder ein Magnetfeldsystem mit Sensor im Ball bestimmen, ob der Ball die Torlinie vollständig überquert hat. Ist das der Fall, erhält der Schiedsrichter praktisch sofort ein Signal auf seine Uhr. In der Bundesliga wird ein kamerabasiertes System genutzt.

Gibt es den Videobeweis auch im Amateurfußball?

Nein, in deutschen Amateurligen gibt es keinen Videobeweis. Die FIFA erprobt mit Football Video Support eine günstigere Variante ohne Videoschiedsrichter, bei der Trainer eine begrenzte Zahl von Überprüfungen anfordern können. Ob und wann so etwas unterhalb des Profibereichs eingesetzt wird, ist offen.

Quellen

  1. DFB – Was 2025/2026 neu ist: Schiri-Durchsagen, Abseitstechnologie
  2. FIFA – Semi-automated offside technology (WM 2022)
  3. DFB – Video-Assistenten FAQ
  4. bundesliga.com – Goal-line technology to be used in 2015/16
  5. ran.de – 2. Bundesliga führt zur Saison 2024/25 die Torlinientechnik ein
  6. Mail & Guardian – Football's rule-makers approve goal-line technology (Juli 2012)
  7. NBC Sports – Historic call: VAR voted into Laws of the Game (März 2018)
  8. ZDFheute – Bundesliga führt halbautomatische Abseitstechnologie ein
  9. FIFA – Football Video Support bei der U20-Frauen-WM 2024

Geprüft im Oktober 2026. Regeln und Altersklassen variieren je nach Verband und Saison; prüfen Sie die örtlichen Bestimmungen.