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Jugendfußball

Schiedsrichter respektieren: Regeln für Spieler, Eltern und Trainer

Den Schiedsrichter respektieren heißt im Jugendfußball vor allem: Entscheidungen hinnehmen, auch wenn sie falsch sind, und Kritik nicht am Spielfeldrand austragen. Viele Schiedsrichter in Kinder- und Jugendspielen sind selbst Jugendliche, die gerade ihre ersten Spiele leiten. Der Trainer gibt den Ton vor: Wie er auf eine Fehlentscheidung reagiert, übernehmen Spieler und Eltern. Dieser Beitrag zeigt, was jede Gruppe konkret tun kann.

Schiedsrichter mit Pfeife bei einem Amateurfußballspiel
Foto: Robert Koren booked — Jon Candy from Cardiff, Wales · CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons

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In diesem Artikel
  1. Warum Respekt vor dem Schiedsrichter im Jugendfußball zählt
  2. Junge Schiedsrichter: was sie brauchen
  3. Nach einer Fehlentscheidung: was jetzt?
  4. Wie der Trainer das Vorbild gibt
  5. Regeln für Spieler und Eltern
  6. Im Turnier: Schiedsrichter gut einplanen

Warum Respekt vor dem Schiedsrichter im Jugendfußball zählt

Ohne Schiedsrichter gibt es keinen geregelten Spielbetrieb. In Deutschland waren nach DFB-Angaben 2023 mehr als 50.000 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter aktiv, und viele Kreise melden seit Jahren, dass Spiele nicht mehr besetzt werden können. Der DFB rief deshalb 2023 das „Jahr der Schiris“ aus, mit der Botschaft „Liebe den Sport. Leite das Spiel.“ Einer der häufigsten Gründe, warum Schiedsrichter aufhören, ist der Umgang am Platz: Beleidigungen, Druck, im schlimmsten Fall Gewalt.

Im Jugendbereich wiegt das doppelt. Wer mit 14 oder 15 Jahren eine D-Jugend pfeift und nach dem Spiel von Erwachsenen angeschrien wird, kommt oft nicht wieder. Jeder Verein, der in der Jugend spielt, ist darauf angewiesen, dass diese jungen Leute bleiben – nicht zuletzt, weil viele aus den eigenen Reihen kommen.

Junge Schiedsrichter: was sie brauchen

Ein junger Schiedsrichter macht Fehler. Er sieht ein Handspiel nicht, pfeift ein Abseits zu früh, übersieht ein Foul hinter seinem Rücken. Das gehört zum Lernen, genau wie ein Fehlpass beim Spieler. Was er braucht, ist ein Umfeld, das ihm diese Lernzeit lässt.

  • Begrüßung vor dem Spiel: Trainer und Kapitäne geben ihm die Hand und stellen sich vor.
  • Ein fester Ansprechpartner: Der Heimverein benennt eine Person, die ihn empfängt, die Kabine zeigt und nach dem Spiel begleitet.
  • Keine Diskussionen während des Spiels: Fragen stellt nur der Kapitän, ruhig und kurz.
  • Dank nach dem Spiel: unabhängig vom Ergebnis, von beiden Teams.
  • Schutz bei Konflikten: Wenn ein Zuschauer ausfällig wird, greift der Heimverein ein, nicht der Schiedsrichter.

Viele Kreise bieten für neue Schiedsrichter Paten an, die bei den ersten Spielen zuschauen. Wenn ein Pate am Platz ist, kann er auch dem Trainer erklären, warum eine Entscheidung so gefallen ist.

Nach einer Fehlentscheidung: was jetzt?

Fehlentscheidungen passieren in jedem Spiel, auch auf den höchsten Ebenen. Die Frage ist nicht, ob sie passieren, sondern wie die Mannschaft darauf reagiert. Im Jugendfußball ist eine Fehlentscheidung eine Gelegenheit, Spielern etwas Wichtiges beizubringen: Man konzentriert sich auf das, was man beeinflussen kann.

  1. Kurz durchatmen. Der Trainer reagiert nicht sofort, auch nicht mit Gesten.
  2. Die Mannschaft neu ausrichten. Ein Satz reicht: „Weiter, nächste Aktion.“
  3. Nicht diskutieren. Die Entscheidung ändert sich nicht, egal wie laut es wird.
  4. Nach dem Spiel ansprechen, wenn nötig. Ruhig, unter vier Augen, ohne Vorwürfe. Ernsthafte Probleme (Sicherheit, Regelverstoß mit Folgen) über den Verein beim Kreis melden.
  5. In der Besprechung einordnen. „Den Elfmeter hätte ich nicht gegeben. Aber wir hatten danach noch 30 Minuten, um zu reagieren.“

Wie der Trainer das Vorbild gibt

Kinder übernehmen das Verhalten der Erwachsenen, die sie bewundern. Wenn der Trainer bei jeder Entscheidung die Arme hochreißt, tun die Spieler es auch. Wenn er ruhig bleibt, lernen sie, dass Ruhe normal ist. Das gilt ebenso für die Co-Trainer und Betreuer auf der Bank.

  • Vor dem Spiel: Schiedsrichter begrüßen, Spielberichtsbogen und Pässe pünktlich bereitstellen.
  • Während des Spiels: in der Coachingzone bleiben, nur die eigene Mannschaft coachen, keine Kommentare zu Entscheidungen.
  • Nach dem Spiel: mit der Mannschaft dem Schiedsrichter danken, auch nach einer Niederlage.
  • Im Training: die Regeln erklären, damit Spieler Entscheidungen verstehen – Abseits, Handspiel, Vorteil.
  • Bei Eltern: klare Erwartung zu Saisonbeginn formulieren, siehe Eltern am Spielfeldrand.

Eine Übung, die überraschend gut wirkt: Im Trainingsspiel pfeift ein Spieler. Nach fünf Minuten wechselt die Rolle. Wer einmal selbst unter Zeitdruck entscheiden musste, versteht, wie schwer es ist, alles richtig zu sehen.

Regeln für Spieler und Eltern

GruppeErwartungKonsequenz bei Verstoß
SpielerKeine Kommentare zu Entscheidungen, nur der Kapitän fragtAuswechslung und Gespräch nach dem Spiel
ElternKein Kommentar zum Schiedsrichter, nur anfeuernGespräch mit dem Trainer, bei Wiederholung mit der Jugendleitung
TrainerCoachingzone, ruhiger Ton, Dank nach dem SpielGespräch mit der Jugendleitung

Im Kinderfußball gibt es mit der Fair-Play-Liga ein bewährtes Modell. Sie entstand 2007 im Fußballkreis Aachen und wurde danach von vielen Landesverbänden übernommen. Die Grundidee: Die Kinder entscheiden selbst, es gibt keinen Schiedsrichter; die Trainer begleiten das Spiel gemeinsam aus einer Coachingzone; die Zuschauer halten Abstand zum Spielfeld, in der Regel 15 Meter. Viele Vereine berichten, dass die Atmosphäre ruhiger und das Spiel für die Kinder angenehmer wird.

Ab der D-Jugend, wenn wieder Schiedsrichter pfeifen, kann man diese Haltung mitnehmen: Kinder lernen, dass Regeln für alle gelten und dass faire Entscheidungen auch ohne Druck von außen entstehen.

Im Turnier: Schiedsrichter gut einplanen

Bei Jugendturnieren pfeifen oft Vereinsschiedsrichter, ältere Jugendspieler oder Trainer. Der Veranstalter kann viel dafür tun, dass das gut geht: kurze Spielzeiten, klare Pausen für die Schiedsrichter, ein gemeinsames Regelbriefing vor dem ersten Spiel und eine Ansprechperson, falls es Ärger gibt.

  • Jungen Schiedsrichtern eher Spiele jüngerer Jahrgänge geben.
  • Getränke und einen ruhigen Platz in den Pausen anbieten.
  • Turnierregeln (Spielzeit, Rückpass, Eindribbeln oder Einwurf) schriftlich aushändigen.
  • Bei Konflikten entscheidet die Turnierleitung, nicht der Schiedsrichter allein.

Häufige Fragen

Ab wie viel Jahren kann man Schiedsrichter werden?

Das Mindestalter für den Schiedsrichter-Anwärterlehrgang legt der jeweilige Landesverband fest. Es liegt meist zwischen 12 und 14 Jahren, teilweise mit Ausnahmen. Auskunft gibt der Schiedsrichterobmann im Kreis.

Wie reagiert man als Trainer auf eine Fehlentscheidung?

Ruhig bleiben, nicht diskutieren und die Mannschaft auf die nächste Aktion ausrichten. Wenn nötig, spricht man den Schiedsrichter nach dem Spiel sachlich an. Ernsthafte Vorfälle meldet der Verein beim Kreis.

Was ist die Fair-Play-Liga?

Ein Modell für den Kinderfußball, das 2007 im Kreis Aachen begann. Die Kinder entscheiden selbst ohne Schiedsrichter, die Trainer begleiten gemeinsam aus einer Coachingzone, und die Zuschauer halten etwa 15 Meter Abstand zum Feld.

Dürfen Eltern mit dem Schiedsrichter sprechen?

Während des Spiels sollten Eltern den Schiedsrichter nicht ansprechen. Wer eine Frage hat, wendet sich nach dem Spiel an den Trainer. Der Trainer entscheidet, ob ein Gespräch mit dem Schiedsrichter sinnvoll ist.

Quellen

  1. DFB – DFB ruft „Jahr der Schiris“ aus (2023)
  2. DFB – Vergleich Schiedsrichteranwärter-Lehrgang der Landesverbände
  3. WFV – Fair Play Liga

Geprüft im Oktober 2026. Regeln und Altersklassen variieren je nach Verband und Saison; prüfen Sie die örtlichen Bestimmungen.