Torwarttraining: eine Einheit für E-Jugend, C-Jugend und Herren
Gutes Torwarttraining braucht keinen eigenen Platz und keinen Profi-Torwarttrainer, sondern einen klaren Plan: ein kurzer spezifischer Block, danach die Integration ins Mannschaftstraining. Die folgende Einheit von 90 Minuten funktioniert für die E-Jugend, die C-Jugend und die Herren. Gleich bleiben der Aufbau und die Übungen, unterschiedlich sind Schusshärte, Fallschule, Umfang und die Rolle des Torwarts im Aufbauspiel.
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In diesem Artikel
Torwarttraining nach Alter: was sich ändert und was bleibt
Der Torwart ist der einzige Spieler, der im Mannschaftstraining oft nur nebenbei mitläuft: Er steht im Tor, wenn die anderen schießen, und spielt im Abschlussspiel mit. Dabei braucht er eigene Inhalte – Grundstellung, Fangtechnik, Fallen, Abdrücken, Spiel im Eins-gegen-Eins, Flanken, Aufbauspiel mit dem Fuß. Die Lösung ist eine Einheit in zwei Teilen: 25–30 Minuten spezifisch, danach 50–60 Minuten integriert in Übungen der Mannschaft, in denen der Torwart echte Aufgaben hat.
| Altersklasse | Spielform / Tor | Schwerpunkt | Spezifischer Block |
|---|---|---|---|
| E-Jugend (U10/U11) | 5 gegen 5 oder 7 gegen 7, Kleinfeldtor ca. 5 × 2 m | Fangen, Grundstellung, Spiel mit dem Fuß, alle Kinder probieren das Tor | 15–20 Min., spielerisch |
| C-Jugend (U14/U15) | 11 gegen 11, Großfeldtor 7,32 × 2,44 m | Fallschule, Abdrücken, Flanken, 1 gegen 1, Aufbauspiel | 25–30 Min. |
| Herren | 11 gegen 11 | Explosivität, Strafraumbeherrschung, Coaching, Aufbau unter Druck | 25–30 Min., hohe Qualität, wenig Umfang |
In der E-Jugend ist der Torwart laut den DFB-Spielformen im 7 gegen 7 vorgesehen, im 5 gegen 5 optional. In diesem Alter sollte noch kein Kind auf die Position festgelegt werden. Wer gern ins Tor geht, darf öfter – aber jeder spielt auch im Feld. Viele spätere Torhüter profitieren davon, dass sie zuerst als Feldspieler gelernt haben, mit dem Ball umzugehen.
Ablauf der Einheit
| Teil | Zeit | Übung | Ziel |
|---|---|---|---|
| Aufwärmen | 12 Min. | Fangen aus der Bewegung, Beinarbeit | Grundstellung, sichere Hände |
| Technik | 15 Min. | Abdrücken und zweiter Ball | Bewegung zum Ball, schnelles Aufstehen |
| Aufbau | 15 Min. | 3 gegen 2 mit Torwart auf zwei Minitore | Spiel mit dem Fuß, Entscheidungen |
| Torschuss | 18 Min. | 2 gegen 1 auf den Torwart | Stellungsspiel, Coaching der Vorderleute |
| Abschlussspiel | 22 Min. | Spiel mit Torwartregeln | Torwart als Mitspieler |
| Ausklang | 8 Min. | Auslaufen, kurze Rückmeldung | Reflexion |
Aufwärmen und Technik laufen parallel zum Aufwärmen der Mannschaft. Ein Co-Trainer, ein erfahrener Torwart der älteren Jugend oder ein Elternteil mit Torwarterfahrung kann diesen Block übernehmen. Ab dem Aufbaublock ist der Torwart Teil der Mannschaftsübungen.
Spezifischer Block: Fangen, Beinarbeit, Abdrücken
Fangen aus der Bewegung (12 Min.)
Organisation: zwei Hütchentore von 4 m Breite, je ein Torwart und ein Werfer (Trainer oder zweiter Torwart) in 8–12 m Abstand. Ablauf: Der Torwart bewegt sich seitlich zwischen den Hütchen, berührt ein Hütchen mit der Hand und kehrt in die Grundstellung zurück. Erst dann wird geworfen oder geschossen: flach, halbhoch, auf den Körper. Nach 6–8 Bällen Wechsel.
- Coaching: Gewicht auf den Fußballen, Knie leicht gebeugt, Hände vor dem Körper; Ball mit den Händen hinter den Ball (Körbchen bei flachen, W-Griff bei hohen Bällen).
- E-Jugend: Würfe statt Schüsse, weicher Ball oder Größe 4, viel Lob für saubere Fangtechnik.
- C-Jugend und Herren: Schüsse mit dem Fuß aus der Hand, zum Schluss mit einem Sprung zur Seite.
- Typischer Fehler: Der Torwart steht beim Schuss noch in der Bewegung. Lösung: Der Werfer wartet, bis die Füße stehen, und erhöht das Tempo schrittweise.
Abdrücken und zweiter Ball (15 Min.)
Organisation: Großfeldtor (in der E-Jugend Kleinfeldtor), ein Schütze aus 11–14 m, ein zweiter Spieler seitlich. Ablauf: Schuss in die Ecke, der Torwart drückt sich zum Ball ab. Unmittelbar danach dribbelt der zweite Spieler auf das Tor zu oder schießt nach. Der Torwart steht schnell auf und stellt sich neu. Belastung: 4–6 Aktionen pro Serie, 3–4 Serien, Pause mindestens doppelt so lang wie die Serie.
- Coaching: Der erste Schritt geht zum Ball, nicht zurück; Abdruck mit dem ballnahen Bein; beim Aufstehen sofort auf die Füße, nicht über die Knie.
- E-Jugend: nur halbhohe Bälle, die mit einem Schritt erreichbar sind; Fallen auf Matte oder weichem Rasen.
- Herren: Qualität vor Menge, jede Aktion mit voller Intensität, danach echte Pause. Ein Torwart, der in Serie 12 noch springt, trainiert Ermüdung, nicht Technik.
Integration in die Mannschaft: Aufbau und Torschuss
3 gegen 2 mit Torwart auf zwei Minitore (15 Min.)
Organisation: Torwart, zwei Innenverteidiger und ein Sechser gegen zwei Stürmer. Das Feld reicht vom Tor bis ca. 40 m, an der Linie stehen zwei Minitore. Ablauf: Der Trainer spielt den Ball zum Torwart. Das Aufbauteam versucht, ein Minitor flach zu treffen oder über die Linie zu dribbeln. Erobern die Stürmer den Ball, schließen sie auf das Großfeldtor ab. Belastung: 4 × 3 Minuten, Rollen wechseln.
- Coaching für den Torwart: vor dem Pass schauen; den Mitspieler auf der vom Gegner abgewandten Seite anspielen; einen Winkel für den Rückpass anbieten.
- E-Jugend: zwei Minitore, nur ein Stürmer presst; der Torwart darf auch mit der Hand abwerfen.
- C-Jugend: Stürmer pressen nach einem Signal; der Torwart lernt, dass ein langer Ball manchmal die richtige Lösung ist.
- Herren: Pressingauslöser vorgeben (z. B. Rückpass zum Torwart), Kontaktbegrenzung für die Innenverteidiger.
Torschuss 2 gegen 1 auf den Torwart (18 Min.)
Organisation: zwei Angreifer starten ca. 30 m vor dem Tor, ein Verteidiger in der Mitte. Ablauf: A dribbelt an, spielt zu B oder schließt selbst ab. Der Torwart muss vor dem Pass richtig stehen und nach dem Pass schnell verschieben. Belastung: zügige Folge, aber nach jeder Aktion kurze Neuorganisation des Torwarts. Bei zwei Torhütern wechseln sie nach 6–8 Aktionen.
Diese Form zeigt den wichtigsten Unterschied zwischen Torwarttraining und Torschusstraining: Beim Torschusstraining stehen die Schützen im Mittelpunkt, und der Torwart wird beschossen. Bei dieser Form entstehen echte Spielsituationen, in denen der Torwart Stellung, Timing und Coaching üben kann. Der Trainer fragt nach der Aktion: „Wo hast du beim Pass gestanden? Was hast du dem Verteidiger gesagt?“
Nach Altersklasse verschiebt sich der Fokus. In der E-Jugend reicht es, wenn das Kind nach vorn kommt, den Winkel verkleinert und lange auf den Beinen bleibt. Der Verteidiger läuft hier nur halbaktiv mit. In der C-Jugend kommt das Verhalten im Eins-gegen-Eins dazu: Abstand zum Angreifer, breiter Stand, möglichst spät abtauchen. Die Torhüter in diesem Alter wachsen schnell, Koordination und Timing schwanken deshalb oft von Woche zu Woche. Geduld ist hier wichtiger als Härte. Bei den Herren wird die Form mit einer Hereingabe von außen ergänzt: Ein Flügelspieler flankt, der Torwart entscheidet zwischen Herauslaufen und Stehenbleiben und gibt dazu ein lautes Kommando – „Torwart!“ oder „Weg!“. Gerade diese Entscheidung kostet im Spiel viele Gegentore, und sie lässt sich nur mit Gegenspielern trainieren.
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Abschlussspiel mit Torwartregeln
Das Abschlussspiel wird im Format der Altersklasse gespielt: 7 gegen 7 in der E-Jugend, 11 gegen 11 oder 9 gegen 9 auf verkürztem Feld bei den Älteren. Zwei Regeln geben dem Torwart mehr Aktionen: Nach jedem Ballgewinn im eigenen Drittel muss der Ball einmal über den Torwart laufen, und jeder Abstoß wird flach ausgeführt. Dazu kommt eine Coaching-Regel: Der Torwart muss vor jeder Flanke und jedem Rückpass ein klares Kommando geben.
- Spielzeit: 2 × 10 Minuten, 2 Minuten Pause.
- Zählweise: Ein Tor nach Aufbau über den Torwart zählt doppelt.
- Coaching: Der Trainer beobachtet nur die Torhüter: Grundstellung beim gegnerischen Ballbesitz, Abstand zum Tor, Kommandos.
Anpassungen und typische Fehler
- Nur ein Torwart: Im spezifischen Block übernimmt der Trainer das Werfen und Schießen. Im Torschuss wird nach jeder sechsten Aktion eine Minute pausiert.
- Kein Torwarttrainer: Den spezifischen Block auf 15 Minuten kürzen und bei den Übungen an die Mannschaft andocken, z. B. als Torwart für das Passspiel im Aufwärmen.
- Unterschiedliche Niveaus: Ein erfahrener Torwart wirft für den jüngeren; beide lernen dabei.
- Halle oder Schnee: Fangen, Beinarbeit und Abwurf in der Halle auf Matten, Abdrücken nur auf Weichboden.
- Nur Schüsse aus kurzer Distanz. Der Torwart wird beschossen, lernt aber nichts über Stellung. Lösung: Torschuss aus Spielsituationen mit Pass vor dem Abschluss.
- Zu viele Wiederholungen ohne Pause. Sprungserien ohne Erholung führen zu schlechter Technik. Faustregel: Wenn die Landung unsauber wird, ist die Serie vorbei.
- Torwart nur als Feldspieler-Ersatz. Im Rondo und im Aufbau gehört der Torwart dazu, er braucht Ballkontakte mit dem Fuß.
- Zu früh spezialisieren. In der E-Jugend kein Kind dauerhaft ins Tor stellen. Wer später Torwart wird, profitiert von der Feldspieler-Erfahrung.
- Fehler nicht ansprechen. Nach einem Gegentor wird der Torwart oft getröstet, aber nicht gecoacht. Ein ruhiges, konkretes Feedback hilft mehr: Wo hätte er stehen sollen?
Viele weitere Torwartübungen für Kinder und Jugendliche finden sich im Beitrag Torwarttraining in der Jugend. Für das Aufbauspiel mit dem Torwart lohnt ein Blick auf Spielaufbau trainieren.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter sollte ein Kind Torwart sein?
In G-, F- und E-Jugend sollten möglichst alle Kinder abwechselnd ins Tor gehen. Eine feste Torwartposition ist frühestens in der D-Jugend sinnvoll. Torwartspezifische Inhalte wie Fangen und Grundstellung können aber schon früh spielerisch geübt werden.
Wie oft sollte Torwarttraining stattfinden?
Ideal ist ein spezifischer Block von 20–30 Minuten in jedem Training, danach die Integration in die Mannschaft. Wer nur einmal pro Woche eine separate Torwarteinheit anbieten kann, sollte die anderen Trainings trotzdem so gestalten, dass der Torwart echte Aufgaben hat.
Welche Torwartübungen eignen sich für die E-Jugend?
Fangen aus der Bewegung, Würfe in verschiedenen Höhen, Spiel mit dem Fuß und kleine Spielformen mit Torwart. Hechten nur auf weichem Untergrund. Schüsse sollten so dosiert sein, dass das Kind Erfolgserlebnisse hat.
Wie lange dauert eine Torwartserie bei Herren?
Eine Serie von 4–6 explosiven Aktionen ist ein guter Richtwert, danach eine Pause von mindestens der doppelten Zeit. Wenn Landung und Aufstehen unsauber werden, ist der Torwart zu müde für Technikarbeit.
Quellen
Geprüft im Oktober 2026. Regeln und Altersklassen variieren je nach Verband und Saison; prüfen Sie die örtlichen Bestimmungen.