Torwarttraining in der Jugend: Technik, Übungen und Altersstufen
Gutes Torwarttraining in der Jugend beginnt nicht mit Hechtsprüngen, sondern mit Grundstellung, sicherem Fangen und dem Spiel mit dem Fuß. Kinder lernen das Fallen schrittweise, aus dem Knien und auf weichem Untergrund. Bis zur E-Jugend sollten möglichst viele Kinder ins Tor, eine Spezialisierung ergibt meist erst ab der D-Jugend Sinn. Dieser Beitrag zeigt die Technik, typische Fehler und vier Übungen für den nächsten Trainingstag.
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In diesem Artikel
Torwarttraining in der Jugend: was Kinder wirklich brauchen
Ein Torwart im Kinderfußball ist zuerst ein Fußballspieler. In den Spielformen der G-, F- und E-Jugend steht er oft weit vor dem Tor, spielt mit dem Fuß und wird angespielt. Wer nur Bälle fängt, bekommt in einem 5 gegen 5 wenig zu tun. Deshalb gehört das Spiel mit dem Ball zum Torwarttraining von Anfang an dazu.
Bis etwa zehn Jahre sollte die Position rotieren. Jedes Kind darf ins Tor, keines muss dort bleiben. Kinder, die sich freiwillig melden, bekommen mehr Zeit im Tor, spielen aber im Training auch im Feld. Das schützt vor zu früher Festlegung und verbessert die Fußtechnik.
- Grundstellung: Füße schulterbreit, Knie leicht gebeugt, Gewicht auf den Fußballen, Hände vor dem Körper auf Hüfthöhe.
- Sicheres Fangen: Ball hinter die Hände bekommen, Körper hinter den Ball bringen.
- Mut ohne Risiko: Fallen nur dosiert und mit sauberer Technik üben.
- Fußarbeit: Ballannahme, Pass zum Mitspieler, Entscheidung kurz oder lang.
Fangtechnik: hohe, mittlere und flache Bälle
Für Bälle in Brust- oder Kopfhöhe bilden die Hände eine Raute: Daumen und Zeigefinger zeigen zueinander, die Hände stehen hinter dem Ball. Halbhohe Bälle auf Bauchhöhe werden mit dem Korb gefangen: Unterarme nach vorne, Ball an den Körper ziehen, Oberkörper leicht nach vorne. Flache Bälle nimmt der Torwart mit der Schaufel auf, entweder mit gestreckten Beinen und gebeugtem Oberkörper oder im seitlichen Abknien, bei dem ein Knie neben die Ferse des anderen Fußes geht.
Häufige Fehler und Korrektur
- Ball prallt ab: Hände zu weit auseinander oder zu steif. Korrektur: Fangen mit weichen Händen, Ball „annehmen“ statt „schlagen“.
- Beine offen beim Flachball: Ball rutscht durch. Korrektur: Fersen schließen oder seitlich abknien.
- Zu spät in Grundstellung: Torwart steht beim Schuss noch in der Bewegung. Korrektur: kurzer Stopp (Split-Step) kurz vor dem Schuss.
Fallen und Abrollen: Schritt für Schritt
Fallen ist eine Technik, keine Mutprobe. Kinder lernen es in Stufen, auf Rasen, Matten oder einer Weichbodenmatte in der Halle. Auf trockenem Kunstrasen sind lange Hechtsprünge im Training unnötig hart; dort genügen kurze Fallübungen mit langer Kleidung.
- Aus dem Knien: Ball liegt seitlich, Kind kippt zur Seite und legt die Hände auf den Ball. Die Seite des Körpers, nicht der Ellbogen, berührt zuerst den Boden.
- Aus der Hocke: gleiche Bewegung, etwas mehr Schwung, Ball wird leicht zugerollt.
- Aus dem Stand: seitlicher Schritt in Richtung Ball, dann über Wade, Oberschenkel und Hüfte abrollen.
- Mit Abdruck: erst ab sicherer Technik, Ball halbhoch neben den Körper.
Pro Seite reichen in einer Einheit zehn bis fünfzehn saubere Wiederholungen. Danach lässt die Technik nach, und das Fallen wird unsauber.
Stellungsspiel und Herauslaufen
Der Torwart steht auf der gedachten Linie zwischen Ball und Tormitte. Kommt der Ball von der Seite, verschiebt er sich mit kleinen Seitschritten, ohne die Beine zu kreuzen. Im 1 gegen 1 verkürzt er den Winkel, solange der Stürmer den Ball weit vorlegt, und wird kurz vor dem Schuss ruhig und breit.
Fehler im 1 gegen 1 entstehen oft durch zu frühes Hinlegen. Der Torwart soll so lange wie möglich stehen und erst reagieren, wenn der Stürmer schießt oder den Ball zu weit vorlegt.
Spiel mit dem Fuß und Spieleröffnung
Im Kinder- und Jugendfußball eröffnet der Torwart viele Angriffe. Er braucht eine saubere Ballannahme mit beiden Füßen, einen flachen Pass über 15 bis 25 Meter und den Blick, bevor der Ball kommt. Bei der Entscheidung hilft eine einfache Reihenfolge: zuerst der freie Verteidiger, dann ein Mittelfeldspieler, erst zuletzt der lange Ball.
Abwurf und Abschlag gehören ebenfalls ins Training. Der flache Abwurf (Bowling-Bewegung) ist für kurze Distanzen genauer als der Abschlag. Welche Regeln für den Abstoß in den Spielformen gelten, legen DFB und Landesverbände fest; der Trainer prüft die aktuellen Durchführungsbestimmungen seines Kreises.
Torwarttraining nach Alter und vier Übungen
| Alter | Schwerpunkt | Hinweis |
|---|---|---|
| G-/F-Jugend (U6–U9) | Fangen, Werfen, Rollen, Spaß am Ball | Alle Kinder ins Tor, spielerisch |
| E-Jugend (U10–U11) | Grundstellung, Fangtechnik, Fallen aus dem Knien, Fußarbeit | Rotation, freiwillige Torhüter mehr Zeit |
| D-Jugend (U12–U13) | Fallen aus dem Stand, Stellungsspiel, Spieleröffnung | Spezialisierung möglich, Feldtraining bleibt |
| C-Jugend (U14–U15) | Flanken, Strafraumbeherrschung, Coaching der Abwehr | Eigenes Torwarttraining 1–2 × pro Woche |
1. Fangkreis
Vier bis sechs Kinder im Kreis mit 6 bis 8 Metern Durchmesser, ein Torwart in der Mitte. Die Außenspieler werfen nacheinander hoch, halbhoch oder rollen flach. Drei Minuten pro Torwart. Fokus: Grundstellung vor jedem Ball, Hände hinter den Ball. Variante: Torwart dreht sich nach jedem Ball zu einem anderen Werfer.
2. Fallen aus dem Knien
Zwei Torhüter knien sich in vier Metern Abstand gegenüber. Einer rollt den Ball einen Meter neben den Partner, dieser kippt zur Seite und sichert den Ball. Zehn Wiederholungen pro Seite, dann Wechsel. Fokus: Ball mit beiden Händen, unten Hand hinter, oben Hand auf den Ball.
3. Torwart-Duell auf zwei Tore
Zwei Tore (5 × 2 m) im Abstand von 12 bis 16 Metern, in jedem Tor ein Torwart. Die Torhüter versuchen abwechselnd, mit Wurf oder flachem Schuss das andere Tor zu treffen. Fünf Minuten. Fokus: schnelle Grundstellung nach dem eigenen Wurf, Fangen statt Abwehren, wenn es geht.
4. Spieleröffnung unter Druck
Feld 30 × 25 m vor einem Tor, Torwart plus zwei Verteidiger gegen einen Angreifer, an der Mittellinie zwei Minitore. Ein Trainer spielt den Torwart an, die Verteidiger lösen sich breit. Ziel: durch ein Minitor dribbeln. Gewinnt der Angreifer den Ball, schießt er aufs Tor. Fokus: Torwart schaut vor der Annahme, spielt auf die Seite, die der Angreifer nicht anläuft.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter sollte ein Kind fest ins Tor?
Eine feste Festlegung ist bis etwa zehn Jahre meist nicht sinnvoll. Kinder sollten rotieren und auch im Feld spielen. Ab der D-Jugend kann eine Spezialisierung beginnen, das Feldtraining bleibt trotzdem wichtig.
Wie oft sollte ein Jugendtorwart extra trainieren?
In der E-Jugend reichen kurze Torwartblöcke von 15 bis 20 Minuten innerhalb des normalen Trainings. Ab der C-Jugend ist ein eigenes Torwarttraining ein- bis zweimal pro Woche üblich, wenn ein Torwarttrainer verfügbar ist.
Wie bringe ich Kindern das Fallen bei?
In Stufen: aus dem Knien, dann aus der Hocke, dann aus dem Stand. Auf weichem Untergrund und mit wenigen sauberen Wiederholungen. Der Körper rollt über die Seite ab, nicht über Ellbogen oder Knie.
Welche Torwarthandschuhe brauchen Kinder?
Handschuhe in passender Größe mit griffigem Latex genügen. Teure Profimodelle sind nicht nötig. Wichtig ist, dass das Kind die Finger frei bewegen kann und der Handschuh nicht rutscht.