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TrainingU19

Training A-Jugend: Trainingseinheit im Spielmodell (Erwerbstag)

In der A-Jugend wird nicht mehr nach Übungskatalog trainiert, sondern nach dem eigenen Spielmodell. Jede Einheit bearbeitet ein Prinzip der Spielidee in Spielformen, deren Raum, Spielerzahl und Dauer die gewünschte Belastung erzeugen. Diese Trainingseinheit für die A-Jugend (U18/U19) ist der Erwerbstag der Woche, also die Einheit mit den größten Räumen und dem größten taktischen Inhalt. Thema: Überladen der ballnahen Seite und Verlagern auf die ballferne im 4-3-3.

Taktische Grafik: Team A überlädt im 4-3-3 die linke Seite und verlagert über Sechser und Zehner auf den freien rechten Flügel, während der Gegner im 4-4-2 zur Ballseite verschoben hat.

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In diesem Artikel
  1. Training A-Jugend: der Erwerbstag im Wochenzyklus
  2. Aufwärmen: Passmuster Überladen und Verlagern
  3. Übung 1: Positionsspiel 8 gegen 8 + 3 in Korridoren
  4. Übung 2: 10 gegen 8+TW auf Großtor mit Konter
  5. Abschlussspiel: 11 gegen 11
  6. Belastung, Ausklang und Anpassungen

Training A-Jugend: der Erwerbstag im Wochenzyklus

Die A-Jugend umfasst die U18 und U19, in der Saison 2026/27 in der Regel die Jahrgänge 2008 und 2009. Körperlich sind die meisten Spieler auf dem Niveau junger Erwachsener; trotzdem ist die Spannbreite bei Kraft und Belastungsverträglichkeit noch groß. Viele Spieler stehen vor dem Übergang in den Herrenbereich. Das Training sollte deshalb so organisiert sein wie bei einer Herrenmannschaft, mit klarer Wochenstruktur und Spielmodell, aber mit etwas mehr Aufmerksamkeit für individuelle Entwicklung und Belastbarkeit.

In Modellen, die sich an der taktischen Periodisierung orientieren, hat jeder Wochentag eine Funktion. Bei einem Spiel am Sonntag und vier Einheiten könnte die Woche so aussehen:

TagBezug zum SpielSchwerpunktRäume / Dauer der Spielformen
MontagMD+1Regeneration (Spieler mit vielen Minuten), Ergänzungstraining (Rest)–
DienstagMD-5frei–
MittwochMD-4Kleine Räume, viele Zweikämpfe, KraftausdauerKlein, kurze Durchgänge
DonnerstagMD-3Erwerbstag: Spielmodell in großen RäumenGroß, längere Durchgänge
FreitagMD-2Schnelligkeit, Standards, FeinabstimmungMittel bis klein, kurze Reize
SamstagMD-1AktivierungKurz, niedriges Volumen

Die hier beschriebene Einheit gehört auf MD-3. Sie hat den größten Umfang an spielnahen Situationen und die längsten Durchgänge der Woche. Die Belastung entspricht in Struktur und Laufwegen am ehesten dem Spiel.

Spielmodell-Prinzip der Einheit: Im Ballbesitz überladen wir die ballnahe Seite mit Außenverteidiger, Achter, Flügelspieler und Stürmer, um den Gegner zum Verschieben zu zwingen. Ist er verschoben, verlagern wir über den Sechser oder Zehner auf den ballfernen Flügel, der breit geblieben ist. Material und Gruppe: 20 Feldspieler, drei Torhüter, Leibchen in drei Farben, zwei große Tore, zwei Minitore, Hütchen.

TeilZeitInhaltSchwerpunkt
Aufwärmen18 Min.Mobilisation, Passmuster Überladen–VerlagernAbläufe, Pässe über 30–40 m
Übung 120 Min.Positionsspiel 8 gegen 8 + 3 in KorridorenÜberladen, Verlagern, Restverteidigung
Übung 224 Min.10 gegen 8+TW auf Großtor mit KonterDurchbruch nach Verlagerung
Abschlussspiel24 Min.11 gegen 11, 3 × 7 Min.Anwendung im Gesamtsystem
Ausklang8 Min.Auslaufen, kurzes Feedback, RPERegeneration

Aufwärmen: Passmuster Überladen und Verlagern

  • Organisation: eigene Hälfte des Großfelds, Positionen mit Hütchen markiert: linker Innenverteidiger, linker Außenverteidiger, linker Achter, Sechser, rechter Außenverteidiger, rechter Flügelspieler. Je zwei Spieler pro Position, nach dem Pass Positionswechsel in Laufrichtung.
  • Ablauf: Innenverteidiger auf Außenverteidiger, Pass in den Achter, Klatschen auf den Sechser, langer Pass auf den rechten Außenverteidiger, der in den Lauf des Flügelspielers spielt. Danach spiegelverkehrt.
  • Dauer: 3 Serien à 3 Minuten nach 6 Minuten Mobilisation und Lauf-ABC, Pause 1 Minute.
  • Progression: Serie 1 mit zwei Kontakten, Serie 2 direkt wo möglich, Serie 3 mit einem passiven Gegenspieler, der den Sechser markiert, sodass die Verlagerung über den Innenverteidiger laufen muss.
  • Coaching: Passqualität bei der Verlagerung: flach oder halbhoch, auf den vorderen Fuß, Tempo so hoch, dass der Gegner nicht nachschieben kann. Schulterblick des Sechsers vor der Annahme.
Passmuster Überladen–Verlagern 4 4 3 8 6 2 7 Team A Pass Laufweg
Grafik 1. Passmuster: Der Ball wird über Außenverteidiger und Achter auf der linken Seite gespielt, klatscht auf den Sechser und wird diagonal auf den rechten Außenverteidiger verlagert, der in den Lauf des Flügelspielers passt. In der Taktiktafel öffnen ↗

Übung 1: Positionsspiel 8 gegen 8 + 3 in Korridoren

  • Ziel: Überladen erkennen und herstellen, Verlagerung im richtigen Moment, Gegenpressing nach Ballverlust.
  • Organisation: Feld von 50×45 Metern, in drei Längskorridore geteilt. Zwei Teams zu acht Spielern, drei Neutrale: zwei an den Stirnseiten, einer im Zentrum.
  • Regeln: Das ballbesitzende Team spielt mit den Neutralen. Punkt für eine Verlagerung von einem Außenkorridor in den anderen, wenn vorher mindestens drei eigene Spieler im ballnahen Korridor beteiligt waren. Zusatzpunkt, wenn der Empfänger der Verlagerung den Ball zu einem Stirnseitenspieler weiterspielt. Maximal drei Kontakte, Neutrale zwei.
  • Dauer: 3 Durchgänge à 5 Minuten, 2 Minuten Pause. Längere Durchgänge als an MD-4, weil der Raum größer und die Belastung pro Minute niedriger ist.
  • Variante leichter: vier Kontakte; Verlagerung über die Stirnseitenspieler erlaubt.
  • Variante schwerer: Verlagerung zählt nur, wenn sie in höchstens zwei Pässen erfolgt; verteidigendes Team mit einem zusätzlichen Spieler.
  • Coaching: „Wer bleibt breit?“ Mindestens ein Spieler bleibt im ballfernen Korridor, auch wenn das Überladen funktioniert. Ohne diesen Spieler gibt es keine Verlagerung. Der Zeitpunkt: verlagern, wenn der Gegner auf die Ballseite geschoben hat, nicht vorher.
Positionsspiel 8 gegen 8 + 3 Überladen Verlagern N N N 50×45 m Team A Gegner Neutraler Spieler Pass Laufweg Pressing
Grafik 2. Positionsspiel in Korridoren: Team A überlädt den linken Korridor, der Gegner schiebt nach. Der Ball kommt über den Sechser in die Mitte und wird auf den freien Spieler im rechten Korridor verlagert. In der Taktiktafel öffnen ↗

Häufige Fehler: Das Überladen wird mit Überfüllen verwechselt. Wenn fünf Spieler im ballnahen Korridor stehen, aber alle auf derselben Höhe, entsteht keine Überzahl, sondern Enge. Die Spieler müssen gestaffelt stehen: einer breit an der Linie, einer im Halbraum, einer tief als Absicherung, einer zwischen den Linien. Ein zweiter Fehler ist die Verlagerung als Selbstzweck. Sie lohnt sich nur, wenn der ballferne Spieler nach der Annahme Raum und Zeit hat. Steht dort bereits ein Gegenspieler, ist der kurze Weg nach vorn durch das überladene Zentrum oft die bessere Lösung. Der Trainer sollte beide Entscheidungen loben, wenn sie zur Situation passen, und nicht nur die Punkte zählen.

Übung 2: 10 gegen 8+TW auf Großtor mit Konter

  • Ziel: Durchbruch nach der Verlagerung: Flanke, Pass in den Rücken der Abwehr oder Abschluss aus dem Halbraum.
  • Organisation: zwei Drittel des Großfelds. Team A im 4-3-3 ohne Torwart (zehn Spieler), Team B mit Torwart, Viererkette und vier Mittelfeldspielern (4-4). An der Mittellinie zwei Minitore für die Konter von Team B.
  • Regeln: Team A beginnt mit Ballbesitz bei einem Innenverteidiger. Tor nach vorheriger Verlagerung zählt doppelt. Team B kontert nach Ballgewinn auf die Minitore; die beiden Innenverteidiger von Team A sichern ab (Restverteidigung). Team B gewinnt einen Punkt für jeden Ballgewinn, der zu einem Pass über die Mittellinie führt.
  • Dauer: 4 Durchgänge à 5 Minuten, 1:30 Minuten Pause. Torhüter wechseln nach zwei Durchgängen; Spieler von Team B nach zwei Durchgängen mit Spielern aus Team A tauschen, damit alle den Angriffsinhalt erleben.
  • Coaching Team A: Timing der Läufe nach der Verlagerung: Der ballferne Flügelspieler nimmt den Ball mit dem ersten Kontakt nach vorn mit, der Stürmer startet in den Raum zwischen Innen- und Außenverteidiger, der ballferne Achter besetzt den Rückraum.
  • Coaching Team B: schnelles Verschieben der Viererkette auf die neue Ballseite, Zugriff auf den Flügelspieler, bevor er aufdreht.

Die Konterregel für Team B ist kein Beiwerk. Sie zwingt Team A, beim Überladen an die Absicherung zu denken, und schafft nach jedem Ballverlust eine echte Umschaltsituation. Ohne diese Regel trainiert Team A ein Angriffsspiel, das im Wettkampf nicht funktioniert, weil dort jeder Ballverlust Folgen hat.

10 gegen 8+TW mit Verlagerung Überladen 4 5 11 3 8 9 10 6 7 2 Team A Gegner Pass Laufweg
Grafik 3. 10 gegen 8+TW: Team A überlädt links, der Gegner verschiebt. Über Sechser und Zehner wird auf den rechten Flügel verlagert, der Flügelspieler startet in die Tiefe, der Stürmer zieht ins Zentrum. In der Taktiktafel öffnen ↗

Ein vereinsinternes Turnier oder ein Spielfest mit Nachbarvereinen zum Abschluss eines Trainingsblocks gibt den Spielern ein Ziel und viele Spielminuten. Der Spielplan-Generator erstellt Spiele und Zeiten in wenigen Minuten, ohne Anmeldung, und der Turniermodus für 8, 12 und 16 Mannschaften hilft bei der Wahl des Formats.

Abschlussspiel: 11 gegen 11

  • Organisation: Großfeld, 10+TW gegen 10+TW in den Grundordnungen beider Teams. Der dritte Torwart arbeitet parallel mit dem Torwarttrainer oder wechselt nach jedem Durchgang ein.
  • Regeln: freies Spiel, Tor nach Verlagerung zählt doppelt. Abstöße flach.
  • Dauer: 3 Durchgänge à 7 Minuten, 1:30 Minuten Pause.
  • Coaching: Unterbrechungen nur, wenn sich eine Schlüsselsituation zum Thema der Woche zeigt. Das Standbild wird kurz gehalten (unter 30 Sekunden), dann geht das Spiel aus derselben Situation weiter.
Überladen und Verlagern im 11 gegen 11 1 4 5 11 3 8 9 10 6 7 2 Team A Gegner Pass Laufweg
Grafik 4. 11 gegen 11: Team A überlädt die linke Seite und verlagert über Sechser und Zehner auf den rechten Flügel. Die Innenverteidiger sichern gegen die beiden Stürmer des Gegners ab. In der Taktiktafel öffnen ↗

Typische Fehler und Videoanalyse: Die häufigste Fehlerquelle ist der ballferne Flügelspieler, der zum Ball einrückt und damit die Verlagerung unmöglich macht. Zweitens: Die Verlagerung kommt zu spät, wenn der Gegner bereits zurückgeschoben hat. Drittens: Die Restverteidigung ist beim Überladen mitgerückt, sodass ein Ballverlust direkt zum Konter führt. Für die Analyse eignen sich Clips, die im Moment des Passes in den überladenen Raum beginnen und enden, wenn der Ball die Seite gewechselt hat oder verloren ist.

Belastung, Ausklang und Anpassungen

Die Einheit dauert 100 Minuten, davon etwa 70 Minuten Spielformen in großen Räumen. Im Vergleich zu MD-4 ist der Anteil an Beschleunigungen pro Minute geringer, die zurückgelegten Strecken und hohen Laufgeschwindigkeiten sind höher. Wer GPS-Daten hat, sieht das in der Verteilung der Distanzen; ohne Daten hilft die Session-RPE (Anstrengung 0–10 mal Dauer) als einfache Kontrolle. Spieler mit vielen Spielminuten am Wochenende oder Belastung aus anderen Mannschaften bekommen in Übung 2 einen Durchgang Pause.

  • Ausklang: acht Minuten Auslaufen und Dehnen, kurzes Feedback zur Woche, RPE-Abfrage.
  • 16 Feldspieler: Übung 1 als 6 gegen 6 + 3; Übung 2 als 8 gegen 6+TW; Abschlussspiel 8+TW gegen 8+TW auf verkürztem Feld.
  • Spieler aus dem Herrenkader oder Gastspieler: Sie werden in Übung 1 bevorzugt als Neutrale eingesetzt. So kennen sie die Abläufe, ohne die Teamstruktur für das Wochenende zu verändern.
  • Zwei Torhüter: Im Abschlussspiel spielen beide; in Übung 1 trainiert ein Torwart als neutraler Stirnseitenspieler mit.
  • Anderes Spielsystem: Das Prinzip gilt unabhängig vom System. Im 3-4-3 übernehmen die Schienenspieler die Rolle der Außenverteidiger und Flügelspieler, im 4-4-2 rückt ein Stürmer auf die überladene Seite.

Die Hintergründe zu Wochenstruktur und Spielidee erklärt der Beitrag Taktische Periodisierung und Spielidee. Das Prinzip im Detail behandelt der Artikel Überladen und Verlagern.

Häufige Fragen

Was bedeutet Erwerbstag in der Trainingswoche?

Als Erwerbstag wird die Einheit bezeichnet, in der die wichtigsten Inhalte des Spielmodells in großen, spielnahen Räumen erarbeitet werden. Bei einem Spiel am Sonntag liegt sie meist am Donnerstag (MD-3). Die Durchgänge sind länger als an den anderen Tagen, die Struktur ist nah am 11 gegen 11.

Wie oft trainiert eine A-Jugend pro Woche?

Im Leistungsbereich sind vier bis fünf Einheiten plus Spiel üblich, im Amateurbereich zwei bis drei. Bei weniger Einheiten werden die Funktionen der Wochentage zusammengelegt, der Erwerbstag bleibt aber in der Wochenmitte.

Welche Spielformen eignen sich für die A-Jugend?

Positionsspiele mit klarer Aufgabe, Überzahlspiele auf ein Tor mit Kontermöglichkeit für den Gegner und 11 gegen 11 mit Themenregeln. Die Größe des Feldes und die Dauer der Durchgänge richten sich nach dem Wochentag.

Wie viele Torhüter braucht man im A-Jugend-Training?

Für Spielformen auf zwei Tore mindestens zwei, idealerweise drei, damit ein Torwart mit dem Torwarttrainer arbeiten oder rotieren kann. Spielformen mit zwei Torhütern sind meist die realistischsten, weil Abschluss und Spieleröffnung dazugehören.