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Training B-Jugend: Spielaufbau gegen Pressing und hohes Pressing

In der B-Jugend nähert sich das Spiel dem Erwachsenenfußball: Gegner pressen organisiert, Fehler im Aufbau werden bestraft, und die eigene Mannschaft muss selbst ein hohes Pressing durchhalten können. Diese Trainingseinheit für die B-Jugend dauert 95 Minuten, ist für 18 Feldspieler und zwei Torhüter (U16/U17) geplant und trainiert beide Seiten desselben Duells: den Spielaufbau gegen Pressing und das koordinierte Pressing gegen den Aufbau, mit Hinweisen zur Belastungssteuerung.

Taktische Grafik: Team A presst im 4-4-2 hoch gegen den Spielaufbau des Gegners. Der Pass des Torwarts auf den rechten Innenverteidiger löst das Anlaufen aus, die Viererkette rückt nach.

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In diesem Artikel
  1. Fußballtraining B-Jugend: zwei Seiten desselben Duells
  2. Aktivierung: Rondo 5 gegen 2 mit Pressing im Paar
  3. Übung 1: Spielaufbau 6+TW gegen 5 auf Zielspieler
  4. Übung 2: 4 gegen 4 + 3 in Intervallen
  5. Abschlussspiel: 11 gegen 11 mit Pressingregeln
  6. Belastungssteuerung und Ausklang

Fußballtraining B-Jugend: zwei Seiten desselben Duells

Die B-Jugend umfasst die U16 und U17, in der Saison 2026/27 in der Regel die Jahrgänge 2010 und 2011. Die meisten Spieler haben den größten Wachstumsschub hinter sich, die Kraftentwicklung nimmt zu, und die Belastbarkeit nähert sich der von Erwachsenen. Gleichzeitig sind die Unterschiede in der biologischen Reife noch spürbar, und die Belastung aus Schule, Training und gegebenenfalls Auswahlmannschaften summiert sich.

Taktisch lässt sich in diesem Alter mit Spielprinzipien arbeiten, die auch im Herrenbereich gelten. Spielaufbau gegen Pressing und eigenes hohes Pressing gehören zusammen: Wer im Training gegen ein gut organisiertes Pressing aufbaut, lernt die Lösungen, und wer gegen einen guten Aufbau presst, lernt die Grenzen des eigenen Anlaufens. Die Einheit nutzt deshalb dieselben Spielformen für beide Seiten und tauscht die Rollen.

Ziele der Einheit: Im Aufbau den freien Spieler über Breite, Staffelung und den dritten Mann finden. Gegen den Ball auf klare Auslöser gemeinsam anlaufen, mit Deckungsschatten arbeiten und die Abwehrlinie nachschieben. Belastung: hohe Intensität in kurzen Blöcken, Gesamtumfang moderat.

TeilZeitInhaltZiel
Aktivierung15 Min.Mobilisation, Lauf-ABC, Sprints, Rondo 5 gegen 2Vorbereitung, Pressing im Paar
Übung 122 Min.Spielaufbau 6+TW gegen 5 auf ZielspielerAufbaulösungen und Pressingauslöser
Übung 214 Min.4 gegen 4 + 3 in IntervallenIntensität, Pressing und Ballbesitz
Abschlussspiel26 Min.11 gegen 11 mit PressingregelnÜbertragung ins Wettspiel
Ausklang8 Min.Auslaufen, Dehnen, RPE-AbfrageRegeneration, Belastungserfassung

Aktivierung: Rondo 5 gegen 2 mit Pressing im Paar

Zehn Minuten Mobilisation, Lauf-ABC und drei bis vier Steigerungsläufe bereiten auf die Sprints vor. Elemente aus Präventionsprogrammen wie dem FIFA 11+ (Stabilisation, Landungen, Ausfallschritte) lassen sich hier sinnvoll einbauen. Danach das Rondo.

  • Organisation: Quadrate von 15×15 Metern, fünf Spieler am Rand, zwei Pressingspieler in der Mitte.
  • Regeln: Zwei Kontakte für die Außenspieler. Die zwei Pressingspieler arbeiten als Paar: Einer läuft den Ball im Bogen an und schließt dabei einen Passweg mit dem Rücken (Deckungsschatten), der zweite schließt den nächsten naheliegenden Passweg. Ballgewinn oder Ball im Aus: Der Fehlerverursacher geht in die Mitte.
  • Dauer: 3 Durchgänge à 90 Sekunden, Pause 45 Sekunden.
  • Coaching: „Erster Läufer bestimmt die Richtung, zweiter liest sie.“ Frontal anlaufen öffnet beide Seiten; im Bogen anlaufen schließt eine.
Rondo 5 gegen 2 – Pressing im Paar 15×15 m Team A Gegner Laufweg Pressing
Grafik 1. Pressing im Paar: Der erste Pressingspieler läuft den Ballführenden im Bogen an und schließt den Pass nach rechts. Der zweite verschiebt in den naheliegenden Passweg nach unten. In der Taktiktafel öffnen ↗

Übung 1: Spielaufbau 6+TW gegen 5 auf Zielspieler

  • Ziel: Für Team A Aufbaulösungen gegen ein organisiertes Pressing; für Team B das koordinierte Anlaufen auf Auslöser.
  • Organisation: Eigene Hälfte des Großfelds. Team A: Torwart, Viererkette, zwei Sechser. Team B: drei Angreifer und zwei Achter. An der Mittellinie zwei Zielspieler (neutral) in je einem Halbraum.
  • Regeln Team A: Start immer beim Torwart. Ein Punkt, wenn ein Zielspieler den Ball kontrolliert annimmt, oder wenn ein Spieler über die Mittellinie dribbelt. Zielspieler spielen nach der Annahme zum Trainer, der neu beim Torwart startet.
  • Regeln Team B: Darf erst nach dem ersten Pass des Torwarts anlaufen. Tor ins große Tor innerhalb von acht Sekunden nach Ballgewinn zählt zwei Punkte. Rückpass zum Torwart, Pass auf einen Außenverteidiger und schlechte Ballannahme sind die vereinbarten Auslöser.
  • Dauer: 4 Durchgänge à 4 Minuten, 1:30 Minuten Pause. Rollentausch nach zwei Durchgängen, Torhüter wechseln.
  • Progression: Durchgang 1 mit drei Kontakten für Team A; Durchgang 2 mit zwei Kontakten in der eigenen Hälfte; nach dem Rollentausch dasselbe für das andere Team.
  • Coaching Team A: Breite der Außenverteidiger, Staffelung der Sechser (nicht auf einer Höhe), Torwart als zusätzlicher Spieler. Frage: „Wer ist frei, wenn der Stürmer den Innenverteidiger im Bogen anläuft?“ Antwort ist meist der dritte Mann: Pass auf den Außenverteidiger, Klatschen in den Sechser, Aufdrehen.
  • Coaching Team B: Anlaufen mit Deckungsschatten auf den Sechser, Achter rücken auf die gegnerischen Sechser, auf der ballfernen Seite einrücken statt mannorientiert mitlaufen.
Spielaufbau 6+TW gegen 5 1 4 5 3 2 6 6 Z Z Team A Gegner Neutraler Spieler Pass Pressing
Grafik 2. Aufbau gegen fünf Pressingspieler: Der Torwart eröffnet auf den rechten Innenverteidiger, der Stürmer läuft im Bogen an. Über den Außenverteidiger kommt der Ball zum Sechser, der zum Zielspieler im linken Halbraum spielt. In der Taktiktafel öffnen ↗

Typische Fehler: Beide Sechser stehen auf einer Linie und lassen sich gleichzeitig zustellen. Der Innenverteidiger nimmt den Ball frontal zum eigenen Tor an und kann nicht mehr verlagern. Auf der Pressingseite läuft der Stürmer frontal an und öffnet beide Passwege. In der Videoanalyse lohnt sich der Blick auf die Körperstellung des ersten Empfängers und auf den Abstand zwischen Stürmer und Achtern im Pressing (zu groß: Sechser frei).

Übung 2: 4 gegen 4 + 3 in Intervallen

Diese Spielform dient vor allem der Spielintensität. Die kleinen Räume zwingen zu schnellen Entscheidungen, häufigen Antritten und Zweikämpfen. Die Belastung ist hoch; deshalb sind die Intervalle kurz und die Pausen bewusst gesetzt.

  • Organisation: Feld von 30×25 Metern. Zwei Teams zu vier Spielern, drei neutrale Spieler: je einer an den Stirnseiten, einer im Feld.
  • Regeln: Das ballbesitzende Team spielt mit den Neutralen 7 gegen 4. Punkt für einen Pass von Stirnseite zu Stirnseite über mindestens einen Feldspieler. Neutrale mit einem Kontakt, Feldspieler mit zwei. Nach Ballverlust sofort Gegenpressing.
  • Dauer: 4 Durchgänge à 2 Minuten, 1:30 Minuten Pause (aktive Erholung: lockeres Passen). Wechsel der Neutralen nach jedem Durchgang.
  • Variante leichter: Feld 35×30 Meter, Feldspieler mit drei Kontakten.
  • Variante schwerer: Neutrale im Feld nur direkt; Punkt nur nach Spiel durch das Zentrum.
  • Coaching: Knapp, laut und positiv. In den Pausen nur eine Rückmeldung pro Team.

Kleine Spielformen mit kurzen Belastungsphasen erzeugen viele Beschleunigungen, Abbremsungen und Richtungswechsel, also genau die Belastungen, die im Spiel in den intensivsten Phasen auftreten. Zwei Minuten sind lang genug, um die Intensität aufzubauen, und kurz genug, um sie zu halten. Werden die Durchgänge länger, sinkt das Tempo, und aus einer intensiven Spielform wird ein Ausdauerspiel ohne Qualität.

4 gegen 4 + 3 in Intervallen N N N 30×25 m – 4 × 2 Min. Team A Gegner Neutraler Spieler Pass
Grafik 3. 4 gegen 4 + 3: Team A spielt mit den drei neutralen Spielern. Der Ball läuft vom unteren Stirnseitenspieler über den Feldspieler und den neutralen Spieler im Zentrum zum oberen Stirnseitenspieler. In der Taktiktafel öffnen ↗

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Abschlussspiel: 11 gegen 11 mit Pressingregeln

  • Organisation: Großfeld, voller Kader in zwei Teams (bei 18 Feldspielern 9+TW gegen 9+TW auf verkürztem Feld, vom Strafraum bis zur gegnerischen Torauslinie).
  • Regeln: Team A spielt im Pressing aus der eigenen Grundordnung (im Beispiel 4-4-2), Team B baut aus der eigenen Grundordnung (im Beispiel 4-3-3) auf. Jeder Abstoß wird flach ausgeführt. Ballgewinn im vorderen Drittel mit Torabschluss innerhalb von zehn Sekunden zählt doppelt. Team B erhält einen Punkt für jeden kontrollierten Pass hinter die gegnerische Mittelfeldlinie.
  • Dauer: 2 Durchgänge à 11 Minuten, 4 Minuten Pause mit kurzer Taktikbesprechung; Rollen nach der Pause tauschen.
  • Coaching: Im Spiel nur Kommandos zu Auslösern und Nachschieben. Wichtig ist das Nachrücken der Viererkette: Wenn vorne gepresst wird und hinten die Linie tief bleibt, entstehen 30 Meter Raum für den Gegner.
Hohes Pressing im 4-4-2 1 3 4 5 2 11 8 6 7 10 9 Team A Gegner Pass Laufweg Pressing
Grafik 4. 11 gegen 11: Der Pass des Torwarts auf den rechten Innenverteidiger löst das Pressing aus. Der Stürmer läuft im Bogen an und schließt den Rückpass, der zweite Stürmer stellt den Sechser zu, der Flügelspieler attackiert den Außenverteidiger. Die Viererkette rückt nach. In der Taktiktafel öffnen ↗

Typische Fehler im Pressing: Der Stürmer läuft zu früh an, bevor der Auslöser kommt, und die Mitspieler sind noch nicht nachgerückt. Der ballferne Flügelspieler bleibt breit an seinem Gegenspieler, statt einzurücken, sodass die Verlagerung durch das Zentrum offen ist. Und die Viererkette bleibt stehen, weil die Innenverteidiger den Lauf in ihren Rücken fürchten. Gegen diese Angst hilft eine klare Regel: Solange der Ballführende unter Druck steht und nicht frei nach vorn schauen kann, rückt die Kette nach. Erst wenn der Ballführende Zeit hat, fällt sie ab. Im Video lässt sich das gut an Standbildern im Moment des Auslösers prüfen: Abstand zwischen Stürmerreihe und Abwehrlinie, idealerweise nicht mehr als 35 bis 40 Meter.

Belastungssteuerung und Ausklang

Die Einheit enthält rund 55 Minuten intensive Spielformen. Sie passt deshalb in die Wochenmitte, nicht auf den Tag vor dem Spiel. Bei drei bis vier Einheiten pro Woche bietet sich folgende Verteilung an: zwei Tage nach dem Spiel eine Einheit mit kleinen Spielformen und hoher Intensität (wie diese), danach eine Einheit mit größeren Räumen und Spielnähe, am Tag vor dem Spiel kurz und aktivierend.

  • Session-RPE: Nach der Einheit schätzt jeder Spieler die Anstrengung auf einer Skala von 0 bis 10. Multipliziert mit der Trainingsdauer ergibt sich eine einfache Belastungszahl. Über mehrere Wochen zeigt sie, ob die Belastung sprunghaft steigt; abrupte Anstiege sollten vermieden werden.
  • Individuelle Steuerung: Spieler mit zusätzlichen Einheiten (Auswahl, Schulsport) oder nach Verletzungen bekommen in Übung 2 die Rolle des neutralen Spielers.
  • Pausen ernst nehmen: Die Intervalle wirken nur, wenn die Pausen eingehalten werden. Wer in der Pause Taktik erklärt, verlängert sie nicht, sondern nutzt sie.
  • Ausklang: acht Minuten Auslaufen und Dehnen, RPE-Abfrage, eine Rückmeldung an die Mannschaft.

Anpassungen

  • 14 Feldspieler: Übung 1 als 5+TW gegen 4; Übung 2 unverändert; Abschlussspiel 7+TW gegen 7+TW auf Dreiviertelfeld.
  • Ein Trainer: Übung 1 mit fester Punktzählung durch die Torhüter; in Übung 2 coacht der Trainer nur in den Pausen.
  • Wenig Platz: Übung 1 auf einer Hälfte bleibt möglich; Abschlussspiel auf halbem Feld als 8 gegen 8 mit zwei großen Toren.

Mehr zur Organisation des Pressings stehen in den Beiträgen Pressingfallen und Auslöser und Spielaufbau gegen hohes Pressing.

Häufige Fragen

Wie oft sollte die B-Jugend pro Woche trainieren?

Im Leistungsbereich sind drei bis vier Einheiten plus Spiel üblich, im Breitenfußball zwei bis drei. Entscheidender als die Zahl ist die Verteilung: intensive Spielformen nicht an aufeinanderfolgenden Tagen und nicht direkt vor dem Spiel.

Welche Pressing-Übungen eignen sich für die B-Jugend?

Gut geeignet sind Spielformen, in denen eine Mannschaft aufbaut und die andere auf vereinbarte Auslöser presst, etwa 6+TW gegen 5 auf Zielspieler. So trainieren beide Teams dasselbe Duell und tauschen danach die Rollen.

Was ist ein Pressingauslöser?

Ein Pressingauslöser ist ein Signal, auf das die Mannschaft gemeinsam anläuft, zum Beispiel ein Rückpass zum Torwart, ein Pass auf den Außenverteidiger oder eine schlechte Ballannahme. Wichtig ist, dass alle Spieler denselben Auslöser kennen.

Wie steuert man die Belastung im Jugendfußball?

Eine einfache Methode ist die Session-RPE: Anstrengung auf einer Skala von 0 bis 10 mal Trainingsdauer. Dazu kommen Beobachtung, Gespräche und die Planung der Intensitäten über die Woche. Sprunghafte Anstiege der Wochenbelastung sollten vermieden werden.

Quellen

  1. FIFA 11+ – A complete warm-up programme (Sponet-Eintrag)

Geprüft im Oktober 2026. Regeln und Altersklassen variieren je nach Verband und Saison; prüfen Sie die örtlichen Bestimmungen.