Kostenloses Turnier erstellenTurnier erstellen

Jugendfußball

Mädchenfußball im Verein: gemischte Teams, Regeln und Training

Mädchenfußball beginnt in vielen Vereinen in gemischten Teams: Mädchen spielen mit Jungen in der F- oder E-Jugend, weil es noch keine eigene Mädchenmannschaft gibt. Das ist erlaubt und sinnvoll – bis zu einem Alter, das jeder Landesverband selbst festlegt. Dieser Artikel erklärt die Regeln zu gemischten Mannschaften, zeigt, warum Mädchen den Verein verlassen, und beschreibt, wie Vereine eine eigene Mädchenabteilung aufbauen.

Spielerinnen einer Frauenmannschaft beim Spiel auf einem Vereinsplatz
Foto: Netherlands women's national football team training in 2018 III — Emma Coolen · CC0 · Wikimedia Commons

Organisieren Sie Turniere? Erstellen Sie Ihres kostenlos auf DorsalCUP.

In diesem Artikel
  1. Gemischte Mannschaften: was die Verbände erlauben
  2. Warum Altersgrenzen für gemischte Teams sinnvoll sind
  3. Warum Mädchen den Fußball verlassen
  4. Mädchenfußball im Verein aufbauen
  5. Training mit Mädchen: was sich ändert und was nicht
  6. Der Übergang ins Mädchen- oder Frauenteam

Gemischte Mannschaften: was die Verbände erlauben

Ob und bis zu welchem Alter Mädchen in Jungenmannschaften spielen dürfen, regeln die Jugendordnungen der Landes- und Regionalverbände. Eine einheitliche bundesweite Regel gibt es nicht. Zwei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich das ausfallen kann:

VerbandRegel für gemischte Mannschaften
Niedersächsischer FV (Jugendordnung, Stand 07/2026)Gemischte Mannschaften in den Altersklassen G bis A zulässig; von C bis A nur mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten der Spielerinnen.
FV Niederrhein (nach WDFV-Jugendspielordnung)Gemischte Mannschaften bis einschließlich D-Junioren; für C- und B-Junioren Ausnahmen nur auf Antrag und mit Genehmigung; A-Junioren nicht möglich.

Im NFV können außerdem bis zu zwei Juniorinnen des jüngeren Jahrgangs auf Kreis- und Bezirksebene in der nächstniedrigeren Altersklasse eingesetzt werden, wenn der Verein dort keine Mannschaft hat. Im FVN gilt eine Genehmigung für eine Saison und muss jedes Jahr neu beantragt werden; die Spielerin darf dann sowohl im Jungen- als auch im Mädchenteam des Vereins spielen, aber nicht in zwei Spielen am selben Tag.

Warum Altersgrenzen für gemischte Teams sinnvoll sind

Im Kinderfußball spielen Mädchen und Jungen auf vergleichbarem Niveau zusammen. Die Unterschiede innerhalb einer Gruppe – zwischen früh und spät entwickelten Kindern, zwischen erfahrenen und neuen Spielern – sind meist größer als die Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Mit der Pubertät ändert sich das. Das American College of Sports Medicine beschreibt in einer Konsenserklärung von 2023, dass sich die Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern mit Beginn der Pubertät herausbilden, vor allem durch den Anstieg des Testosterons bei Jungen. Deshalb setzen die Verbände Altersgrenzen und verlangen ab der C-Jugend häufig Zustimmung oder Genehmigung. Für Trainer heißt das: Im Kinderfußball spricht sportlich nichts gegen gemischte Teams. Ab etwa zwölf Jahren sollte man mit der Spielerin und den Eltern offen besprechen, wie es weitergeht.

Warum Mädchen den Fußball verlassen

Wer Mädchen im Verein halten will, muss wissen, warum sie gehen. Studien nennen vor allem Gründe, die mit dem Umfeld zu tun haben, nicht mit den Mädchen selbst.

  • Freundschaften: Eine Untersuchung der Universität Würzburg bei bayerischen Vereinen beschreibt, dass Mädchen häufig aufhören, wenn eine Freundin aufhört. Soziale Zugehörigkeit spielt eine große Rolle.
  • Trainerinnen und Trainer: Dieselbe Untersuchung nennt den Trainer als wichtigen Faktor; die Vereine selbst sehen zu wenige Trainerinnen als Problem.
  • Dominanz der Jungen: Eine Literaturübersicht für das UEFA-Projekt Playmakers fasst Studien zusammen, nach denen viele Mädchen getrennte Gruppen bevorzugen, weil Jungen das Spiel dominieren, sie seltener anspielen oder sie hänseln.
  • Übergang: Mädchen, die lange in Jungenteams spielen, finden laut der Würzburger Untersuchung beim Wechsel in ein Mädchenteam oft schwer einen Platz, besonders im ländlichen Raum.

Die Playmakers-Übersicht hält zusammenfassend fest, dass oft das Umfeld das Problem ist und nicht die Mädchen. Das ist eine gute Nachricht für Vereine: Das Umfeld lässt sich gestalten.

Mädchenfußball im Verein aufbauen

Eine eigene Mädchenmannschaft entsteht selten von heute auf morgen. Bewährt hat sich ein Aufbau in kleinen Schritten.

  1. Bestand erfassen: Wie viele Mädchen spielen in welchen Jungenteams? Oft sind es mehr, als der Vorstand glaubt.
  2. Mädchentraining zusätzlich anbieten: einmal pro Woche ein gemeinsames Training aller Mädchen eines Altersbereichs, zusätzlich zum Training im Stammteam.
  3. Freundinnen einladen: Schnuppertraining mit der Aufforderung, eine Freundin mitzubringen. Die Playmakers-Übersicht nennt Freundschaften als wirksamen Weg zur Gewinnung neuer Spielerinnen.
  4. Kooperation mit Schulen: Schul-AG oder Pausenturnier, betreut von Trainerinnen und älteren Spielerinnen.
  5. Spielgemeinschaft mit Nachbarvereinen, wenn die Zahl für ein eigenes Team noch nicht reicht.
  6. Trainerinnen gewinnen: Mütter, ehemalige Spielerinnen und Spielerinnen der Frauenmannschaft gezielt ansprechen und die Ausbildung bezahlen.

Wer als Trainerin oder Trainer neu einsteigt, findet im Artikel Fußballtrainer werden die Ausbildungswege im DFB-Bereich.

Training mit Mädchen: was sich ändert und was nicht

Fußball bleibt Fußball. Mädchen brauchen keine andere Technik und keine „weichere“ Version des Trainings. Einige Akzente helfen aber, besonders in neuen Gruppen.

  • Aufgabenorientiertes Coaching: Fortschritt am eigenen Können messen statt an Ranglisten. Das empfiehlt auch die Playmakers-Übersicht.
  • Spielen statt Anstehen: Spielformen mit vielen Ballkontakten, kleine Gruppen, kurze Erklärungen.
  • Wettkampf dosieren: kurze Wettbewerbe mit wechselnden Teams, damit nicht immer dieselben verlieren.
  • Gemeinsame Rituale: Mannschaftskreis, eigener Schlachtruf, Abschlussspiel, das sich die Gruppe aussucht.

Spielform: 3 gegen 3 auf vier Minitore mit Wechselpartnerin

Feld 25 × 20 m, auf jeder Grundlinie zwei Minitore. Vier Teams zu je drei Spielerinnen, auf zwei Feldern 3 Minuten spielen. Danach wechseln die Siegerteams ein Feld hoch, die anderen eins runter, und jedes Team tauscht eine Spielerin. Nach sechs Runden hat jede mit fast allen anderen zusammengespielt. Coaching-Punkte: freies Minitor erkennen, Dribbling ins offene Feld, nach Ballverlust sofort nachsetzen. Variante: Ein Tor nach einer Spielverlagerung zählt doppelt.

Der Übergang ins Mädchen- oder Frauenteam

Der heikelste Moment ist der Wechsel aus dem gemischten Team in eine Mädchenmannschaft. Die Spielerin verlässt Freunde, eine eingespielte Mannschaft und manchmal auch ein höheres Spieltempo. Ein guter Übergang wird früh vorbereitet:

  • Ein Jahr vorher mit Spielerin und Eltern über die Optionen sprechen.
  • Probetrainings bei der Mädchenmannschaft des eigenen oder eines Nachbarvereins.
  • Doppeltes Spielrecht nutzen, wo der Verband es erlaubt, damit der Wechsel schrittweise passiert.
  • Kontakt zu Trainerinnen der älteren Juniorinnen und der Frauenmannschaft herstellen.

Wie Trainer mit einer einzelnen Spielerin in einer Jungenmannschaft umgehen, behandelt der Artikel Ein Mädchen in der Jungenmannschaft.

Häufige Fragen

Bis wann dürfen Mädchen in Jungenmannschaften spielen?

Das regelt jeder Landesverband selbst. Im NFV sind gemischte Mannschaften von G bis A zulässig, ab der C-Jugend mit Zustimmung der Eltern. Im FV Niederrhein sind sie bis zur D-Jugend erlaubt, danach nur mit Genehmigung und in der A-Jugend nicht mehr.

Warum hören Mädchen mit dem Fußball auf?

Studien nennen vor allem Gründe aus dem Umfeld: Freundinnen hören auf, Jungen dominieren das Spiel, es fehlen Trainerinnen und Mädchenteams in der Nähe. Mit gezielten Angeboten lassen sich viele dieser Gründe angehen.

Wie baut man eine Mädchenmannschaft im Verein auf?

Mit einem zusätzlichen Mädchentraining, Schnuppertagen mit Freundinnen, Schulkooperationen und Trainerinnen. Reicht die Zahl nicht, ist eine Spielgemeinschaft mit Nachbarvereinen ein guter Zwischenschritt.

Sollen Mädchen anders trainiert werden als Jungen?

Technik und Taktik sind dieselben. Hilfreich sind aufgabenorientiertes Coaching, viele Ballkontakte, dosierter Wettkampf und eine Gruppe, in der sich jede zugehörig fühlt.

Quellen

  1. NFV – Jugendordnung, Stand 07/2026 (§ 3 gemischte Mannschaften)
  2. FVN – Spielen von Mädchen in Jungenmannschaften (10.08.2023)
  3. Kreiselmeyer & Reinders – Bedingungen der Beteiligung von Mädchen im Jugendfußball (Universität Würzburg)
  4. UEFA Playmakers Project – Literature Review, Executive Summary (Leeds Beckett University, 2019)
  5. ACSM – The Biological Basis of Sex Differences in Athletic Performance (Consensus Statement, 2023)

Geprüft im Oktober 2026. Regeln und Altersklassen variieren je nach Verband und Saison; prüfen Sie die örtlichen Bestimmungen.