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Jugendfußball

Fair Play im Jugendfußball: Fair-Play-Liga, Rituale und Training

Fair Play im Jugendfußball entsteht nicht durch Plakate, sondern durch Regeln, Rituale und das Vorbild der Erwachsenen. In Deutschland gibt es dafür klare Bausteine: die Fair-Play-Liga im Kinderfußball, in der Kinder ohne Schiedsrichter spielen und Eltern Abstand halten, das Handshake-Ritual vor und nach dem Spiel und die Fair-Play-Medaille des DFB. Dieser Artikel zeigt, wie Trainer diese Ideen in Training und Turnier übersetzen.

Zwei Mannschaften geben sich nach einem Amateurspiel die Hand
Foto: Esprit de fair play sur un stade de football — MBIELE HAPPI RAPHAEL · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

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In diesem Artikel
  1. Was Fair Play im Jugendfußball konkret bedeutet
  2. Die Fair-Play-Liga: Regeln und Hintergrund
  3. Weitere Fair-Play-Initiativen in Deutschland
  4. Fair Play im Training verankern
  5. Fair Play beim Turnier: Was der Veranstalter tun kann
  6. Das Vorbild der Erwachsenen

Was Fair Play im Jugendfußball konkret bedeutet

Fair Play ist mehr als die Abwesenheit von Fouls. Für Kinder lässt es sich in einfache Verhaltensweisen übersetzen, die man sehen und loben kann. Je konkreter der Trainer sie benennt, desto eher werden sie zur Gewohnheit.

  • Gegenüber dem Gegner: begrüßen, aufhelfen nach einem Zweikampf, Ball ins Aus spielen, wenn jemand verletzt liegt.
  • Gegenüber dem Spielleiter oder Schiedsrichter: Entscheidungen annehmen, nicht reklamieren.
  • Gegenüber Mitspielern: keine Vorwürfe nach Fehlern, Ersatzspieler einbeziehen.
  • Gegenüber sich selbst: ehrlich zugeben, wer den Ball zuletzt berührt hat.

Diese vier Ebenen helfen bei der Ansprache. Statt „Seid fair!“ sagt der Trainer: „Heute achten wir darauf, dass jeder nach einem Zweikampf dem anderen aufhilft.“ Das ist überprüfbar und lässt sich nach dem Training gemeinsam auswerten.

Die Fair-Play-Liga: Regeln und Hintergrund

Die Fair-Play-Liga entstand 2007 als Pilotprojekt im Fußballkreis Aachen mit zwölf F-Jugend-Teams. Sie breitete sich danach auf weitere Kreise und Landesverbände aus. Laut DFB wurde sie ab der Saison 2014/15 von den Landesverbänden eingeführt; für 2017/18 legte der DFB verbindliche Regeln fest. Die Grundidee besteht aus drei Regeln:

RegelInhalt
SchiedsrichterregelEs gibt keinen Schiedsrichter. Die Kinder entscheiden selbst über Foul, Aus und Tor.
TrainerregelBeide Trainer stehen gemeinsam in einer Coachingzone und greifen nur ein, wenn die Kinder eine Situation nicht lösen können.
FanregelEltern und Zuschauer halten Abstand zum Spielfeld. Im Ursprungskonzept sind 15 Meter genannt.

Mit der Einführung der neuen Spielformen im Kinderfußball, die seit der Saison 2024/25 bundesweit verbindlich sind, wurde dieser Gedanke übernommen: Klassische Schiedsrichter gibt es dort nicht, Trainer leiten gemeinsam, und Eltern müssen einen Mindestabstand einhalten. Den genauen Abstand und die Details regeln die Landesverbände und Kreise in ihren Durchführungsbestimmungen.

Weitere Fair-Play-Initiativen in Deutschland

Neben der Fair-Play-Liga gibt es im deutschen Fußball mehrere Bausteine, die Vereine nutzen können.

  • Fair-Play-Medaille des DFB: seit 1997 jährlich verliehen. Jeder der 21 Landesverbände wählt eine Fair-Play-Geste der Saison aus dem Amateurbereich aus, eine DFB-Jury bestimmt daraus den Bundessieger. Gesten können beim Landesverband gemeldet werden.
  • Fair-Play-Tage: seit 2015 jährlich mit wechselnden Themen. 2018 und 2019 ging es um Eltern im Kinderfußball; Kinder zeigten vor dem Spiel den Zuschauern eine Fair-Play-Karte.
  • Handshake-Ritual: Begrüßung vor dem Spiel und Abklatschen nach dem Spiel, unabhängig vom Ergebnis.
  • Fair Play in der Ausbildung: Fair Play, Gewaltprävention und Deeskalation sind laut DFB Teil der Trainer- und Schiedsrichterausbildung.

Eine Fair-Play-Geste aus der eigenen Mannschaft beim Landesverband zu melden, ist eine einfache Möglichkeit, Kinder für faires Verhalten sichtbar zu würdigen – auch wenn daraus keine Medaille wird.

Fair Play im Training verankern

Werte werden im Training geübt wie Technik. Das gelingt am besten, wenn Fair Play Teil der Spielregeln ist und nicht nur eine Ansprache am Ende.

Spielform: 4 gegen 4 ohne Schiedsrichter

Feld 30 × 20 m, zwei kleine Tore, zwei Teams zu je vier Spielern, 4 Durchgänge à 5 Minuten. Der Trainer pfeift nicht. Bei Foul oder Aus entscheiden die Kinder selbst; können sie sich nicht einigen, gibt es Schiedsrichterball. Nach jedem Durchgang fragt der Trainer: „Gab es eine Situation, die schwierig war? Wie habt ihr sie gelöst?“ Coaching-Punkte: schnell entscheiden, Entscheidung akzeptieren, weiterspielen. Variante: Ein Spieler pro Team ist für zwei Minuten „Kapitän“ und hat bei Streit das letzte Wort.

Fair-Play-Punkte im Abschlussspiel

Im Abschlussspiel zählen Tore wie üblich. Zusätzlich vergibt der Trainer für beobachtete Gesten Fair-Play-Punkte: Aufhelfen, zugeben, dass man den Ball zuletzt berührt hat, Mitspieler nach einem Fehler aufmuntern. Am Ende wird beides verkündet. Wichtig: Die Punkte werden nicht verrechnet, damit nicht gezielt für Punkte gespielt wird.

Rollentausch: Kinder leiten das Spiel

Ab der E-Jugend kann ein Kind, das gerade pausiert, ein kurzes Spiel leiten. Danach berichtet es, was schwierig war. Kinder, die selbst einmal pfeifen mussten, reklamieren erfahrungsgemäß weniger.

Fair Play beim Turnier: Was der Veranstalter tun kann

Ein Turnier ist für Kinder ein Höhepunkt und für Erwachsene manchmal eine Belastungsprobe. Der Veranstalter setzt den Rahmen.

  1. Fair-Play-Regeln in der Ausschreibung festhalten: Abstand der Zuschauer, gemeinsame Coachingzone, Handshake nach jedem Spiel.
  2. Begrüßung aller Teams vor dem ersten Spiel mit einer kurzen Ansage an die Eltern.
  3. Fair-Play-Wertung zusätzlich zur sportlichen Wertung: Spielleiter notieren nach jedem Spiel, ob Teams und Begleiter die Regeln eingehalten haben.
  4. Siegerehrung für alle, im Kinderfußball ohne Rangliste, in älteren Jahrgängen mit einer eigenen Fair-Play-Auszeichnung.
  5. Klare Ansprechperson für Konflikte, die nicht selbst mitspielt oder coacht.

Wie man den Spielplan und die Ausschreibung aufbaut, steht im Artikel Fußballturnier organisieren.

Das Vorbild der Erwachsenen

Kinder übernehmen das Verhalten der Erwachsenen, die sie beobachten. Ein Trainer, der jede Entscheidung des Schiedsrichters kommentiert, kann im Training noch so viel über Fair Play reden. Drei Gewohnheiten helfen mehr als jede Kampagne:

  • Den gegnerischen Trainer vor dem Spiel begrüßen, sichtbar für beide Mannschaften.
  • Nach Fehlentscheidungen ruhig bleiben und das Thema nach dem Spiel sachlich ansprechen.
  • Fair Play nach dem Spiel ansprechen: Welche faire Geste hat heute jemand gezeigt?

Für Eltern hilft ein Gespräch zu Saisonbeginn, in dem die Fair-Play-Regeln erklärt werden. Wie man einen Elternabend aufbaut, steht im Artikel Kommunikation zwischen Trainer, Spielern und Eltern.

Häufige Fragen

Was sind die Regeln der Fair-Play-Liga?

Es gibt drei Regeln: Die Kinder entscheiden ohne Schiedsrichter selbst, beide Trainer begleiten das Spiel gemeinsam aus einer Coachingzone, und Zuschauer halten Abstand zum Spielfeld. Die Fußballregeln selbst bleiben gleich, nur die Rahmenbedingungen ändern sich.

Wie weit müssen Eltern in der Fair-Play-Liga vom Spielfeld entfernt sein?

Im ursprünglichen Konzept sind 15 Meter genannt. Den verbindlichen Abstand regeln Landesverband und Kreis in ihren Durchführungsbestimmungen, daher dort nachlesen.

Was sind Beispiele für Fair Play im Fußball?

Einem gefoulten Gegner aufhelfen, den Ball ins Aus spielen, wenn jemand verletzt liegt, zugeben, wer den Ball zuletzt berührt hat, und Entscheidungen des Schiedsrichters annehmen. Auch das Abklatschen nach dem Spiel gehört dazu.

Wer bekommt die Fair-Play-Medaille des DFB?

Sie wird seit 1997 jährlich an besonders faire Spieler, Teams und Funktionäre verliehen. Im Amateurbereich nominiert jeder Landesverband eine Geste der Saison, eine DFB-Jury wählt den Bundessieger.

Quellen

  1. DFB – Fair Play fördern (Fair-Play-Medaille, Fair-Play-Liga, Fair-Play-Tage)
  2. wfv – FairPlayLiga (Präsentation Ralf Klohr, FBK Aachen)
  3. DFB – Kinderfußball: neue Spielformen

Geprüft im Oktober 2026. Regeln und Altersklassen variieren je nach Verband und Saison; prüfen Sie die örtlichen Bestimmungen.